Leider sah sich heute keiner meiner Berliner Freunde und Bekannten in der Lage mich zu begleiten und die arme Alia musste Klausur schreiben in ihrer neuen Uni. Meine Mama hatte Kreislaufprobleme wegen der Hitze und so machte ich mich ganz alleine auf den Weg. Gottseidank steckte mir meine Ma einen 10 EUR Schein zu und ein paar Münzen denn ihr Spruch "Halte dich im Schatten" wäre nicht zu erfüllen gewesen. Stattdessen stürmte ich den H&M iM Forum Köpenick, unserem früheren Stamm - und heutigen Lieblingseinkaufszentrum. Ein eleganter weißer Leinenhut aus der Herrenabteilung für läppische 7 EUR fiel mir in die Hände und musste sofort verhaftet werden um mir dann Schatten zu spenden. Danach ging es in Untergeschoss, wo mein Stamm - Bastelladen für den ich sogar seit Jahren eine Kundenkarte hab die mir Rabatt ermöglicht auf mich wartete. Dort deckte ich mich mit einigen Dosen voller Perlen, kleinen Holzschachteln, Bändern fürs Kumihimo in weiß, rot, dunkelblau und olivgrün und vor allem Bastelfilz in 5 Farben, zwei Stärken und 3 Größen ein. Ich hab da ja ne Idee was ich machen möchte und hab mir vorher bei Tsea Maße geholt um nicht zu viel zu kaufen. Filz vom Meter hat nämlich seinen Preis, obwohl er dünner ist als meine A3 Platten.
Dann ging es mit TRAM, S- Bahn und U- Bahn zum Kottbusser Tor und dann laufenderdings in die Oranienstraße 23 in die "Fadeninsel". Ich liebe diesen Laden. Es gibt dort supergünstig Filzwolle und total schöne Garne. Da das weben mit Häkelgarnen sehr müßig ist und ich mir Seidengarn nicht leisten kann hab ich mir zwei Leinengarne von ggh ausgesucht. Typ "Safari" der Farben 8 (dunkelblau) und 33 (dunkles weinrot) beide made in Italy. Fühlen sich dank eines kleinen Kunstfaseranteils echt super an.
Dazu nahm ich noch ordentlich Filzwollflies in einigen Farben mit und dann entdeckte ich auf dem Boden die "Restwolle" Kiste! Begeistert durchwühlte ich diese und nahm ein paar Reste mit. Sowas kann der kreative Mensch der webt, strickt, häkelt und generell viel bastelt ja eh immer gut brauchen. Sollte einer der geneigten Leser sich an dieser Stelle angesprochen fühlen und in Besitz von Restwolle egal welcher Farbe, dicke, Qualität oder Garnart befinden oder die Garnreste seiner Oma/Tante/whatever bekommen können so würde ich mich natürlich riesig freuen, wenn er sie mir zuschickt. Da wolle fast nix wiegt, dürfte das auch garnicht so schlimm teuer werden. Als Dankeschön erwähne ich die edlen Spender selbstverständlich hier und zeige dann zu gegebener Zeit, was ich aus ihren Garnresten schönes gemacht hab.
Und dann kam mein Pflichttermin wenn ich Dienstags oder Freitags zu der Zeit in Berlin bin: der Türkenmarkt. Der Türkenmarkt bezeichnet für mich einen bestimmten Ort unweit der U- Bahnstation Schönleinstraße (U6). Dort, am Ufer des Landwehrkanals, auch Maybachufer genannt gibt es ein Stückchen Orient im sonst so kühlen Berlin. Zu beiden Seiten dieser Straße stehen dicht an dicht Blumenhändler, Fisch - und Fleischverkäufer, Gebäckverkäufer, Stände mit tausenden von gerösteten Nüssen, getrocknetem Obst, mit Kleidung für groß und Klein, Gewürze, Obst und Gemüse von guter Qualität zu Großhandelspreisen, Essensständen mit türkischen Spezialitäten und gebratenen Maiskolben, mit einem Wirrwarr aus Türkisch und Arabisch was die beherrschenden Sprachen dort sind. Die Händler preisen ihre Ware auch in diesen Sprachen an und die Hauptkundschaft sind türkische Frauen jeden Alters mit Kopftuch oder ohne mit einem Kind oder auch mit fünft. Das allerschönste am Türkenmarkt sind neben den aus Bulgarien geliebten Lebensmitteln wie Schafskäse, eingelegte Oliven, Lohkum (Türkischer Honig genannt), Halva in Blöcken oder in Dosen, gefüllte Weinblätter und Trockenobst auch die Händler mit den Stoffen und der Perlenhändler. Stoffe gibt es hier alle paar Stände in riesiger Auswahl aller möglichen Stoffarten, Webarten, Breiten, dicken, Farben... Es sind die "Reste" der riesigen Großhandelsballen die für die Industrie zu wenig sind und daher aus der Türkei importiert werden. Da die Ballen Großhandelspreise haben, teilt sich der Preis entsprechend gering auf die einzelnen Meter auf. So wird Nähvergnügen bezahlbar, mit teilweise 1EUR/m die ich hier für Baumwollstoffe bezahlt hab oder 6 EUR/m für Baumwollsamtstoffe ist man hier dabei. Natürlich passiert es, daß mal die Farbe oder Qualität die man gerade braucht oder der Stand mit den Samtstoffen gerade nicht da sind. Dann kommt man am besten am nächsten Markttag (DI oder FR) wieder, oder 1 Woche später oder kauft weißen Stoff und färbt sich den um. Erwähnte ich schon den Stand, der Garne und Reissverschlüsse, Bänder und Knöpfe in tausenden Farben anbietet und auch Vlieseline vom Ballen hat? Die Preise der Reisser gefielen sogar meiner Nähkursleiterin Andrea Tabor, die in Buckow einen Laden hat und bei der ich mich im Februar und März hab unterweisen lassen. Leider waren auch heute nicht die Farben die ich als Baumwolle haben wollte dabei, und so guckte ich nach weißer Baumwolle. Und tatsächlich! Ich fand etwas ganz besonderes. Gute feste und leichte Baumwolle aus Griechenland mit einer Webbreite von 2 Metern! Eine Sensation! (Zur Info für die Nicht- Näher ein normaler Stoff hat mit Außnahme von Seide die meist 90cm breit liegt eine Webbreite von 1,10m - 1,70, die gebräuchlichste Weite ist 1,50m) Und nur 1,50 EUR/m! Ich glaubte zu träumen und rechnete flugs aus, wie man mit der Webbreite meine Lieblingskleiderschnitte verwirklichen kann. Da nun 3,5m statt 5m ausreichend waren, nahm ich einfach spontan 7 Meter mit und war totaaaal glücklich. Da meine Füße aber so langsam garnicht mehr glücklich waren und die Zeit zu der ich mich mit Ron am anderen Ende Berlins treffen sollte um heimzufahren sehr nahe war, machte ich mich mit diesem Stoff und einigen Tütchen Perlen auf den Rückweg! Voll bepackt und absolut zufrieden mit mir und meinen Eroberungen bestieg ich U Bahn und S Bahn und war nur noch glücklicher, als Ron mich schon am S Bahnhof Mahlsdorf statt am Gewerbepark Mahlsdorf mit dem Auto aufsammelte. Meine Ledersandalen hatten sich tief in meine nackten Füße geschnitten und rote Striemen waren noch die nächsten Tage zu sehen. Doch im klimatisiertem Auto waren die Qualen bald vergessen und den Abend verbrachte ich mit sortieren und verstauen.











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